Eine positive Bilanz

Die Beschäftigungssituation von Ex-In Genesungsbegleiterinnen und Genesungsbegleiter im Bezirk Schwaben

Im Mai 2017 haben 22 Peers ihren Ex-In-Kurs in der allgäu akademie am Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren beendet. Es war der dritte Kurs für Peers im Bezirk Schwaben seit 2013. Mit einem kurzen Vortrag im Sozial- und Psychiatrieausschuss des Bezirkstages von Schwaben zog Michael Mayer von der allgäu akademie nun eine Bilanz zur Entwicklung der Stellen für Genesungsbegleiterinnen und Genesungsbegleiter in der Region. Die Einbeziehung von Erfahrungswissen in das psychiatrische Vorsorgungssystem (Experienced Involvement, Ex-In) schreitet im Bezirk Schwaben damit gut voran. 

Meist ist es für Weiterbildungsstätten nicht einfach, mit Absolventen ihrer Kurse in Kontakt zu bleiben. Durch eine vom Bezirk Schwaben mit geförderte 25%-Stelle einer Praxisbegleitung für die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer ist dies für die allgäu akademie jedoch einfacher. Die Praxisbegleiterin Marion Heß, eine gelernte Fachkrankenpflegerin für Psychiatrie, bleibt mit den meisten Absolventen auch nach Abschluss ihres Kurses in Kontakt. Sie unterstützt nicht nur die Integration in den neuen Arbeitsmarkt für Peer-Arbeit, sondern bietet den Absolventen auch regelmäßige kollegiale Beratungen an. Allerdings ist es dennoch nicht einfach, die Beschäftigungssituation der Absolventen von Ex-In-Kursen zu beurteilen, denn manche Absolventen suchen zunächst keine Stelle und haben später doch eine und umgekehrt. Die Beschäftigungssituation ist daher immer eine Art Momentaufnahme (siehe Tabelle).

 Kurs  Absolventen (n)   geringfügig Beschäftigte (n)   sozialvpfl. Beschäftigte (n) 
2013/2014 16 5 6
2014/2015 14 3 3
2016/2017 18 (6) 3 (+3)
Tabelle: Beschäftigungssituation von Absolventen der Ex-In-Kurs in Kaufbeuren, Stand: Mai 2017. Hinweis: n = Anzahl der Personen, in Klammer: Personen, denen Stellen in Aussicht gestellt wurden. 

 

Mit insgesamt 12 sozialversichungspflichtig beschäftigen Peers und weiteren acht in geringfügiger Beschäftigung sowie derzeit neun Stellen, die wohl demnächst eingerichtet werden, kann die allgäu akademie eine positive Bilanz zur Beschäftigung ihrer Absolventen ziehen. Im ersten Kurs gelang es sogar allen Absolventen, die eine Anstellung als Genesungsbegleiterin oder Genesungsbegleiter suchten, eine entsprechende Stelle zu finden. Auch wenn es mitunter etwas Geduld und Durchhaltevermögen erfordert, so ist die Stellenentwicklung insgesamt doch positiv. Es gibt viel Interesse von professioneller Seite. Dennoch empfiehlt die allgäu akademie allen Interessenten, die Entscheidung für den Kurs gut zu überlegen. Man hat keine Jobgarantie. Peer-Arbeit ist für viele psychiatrischen Einrichtungen immer noch ein Modellprojekt, für das nicht nur der Nutzen, sondern auch die Finanzierung erst noch geklärt werden muss.

In einem EX-IN-Kurs geht nach Ansicht der allgäu akademie aber nicht nur um Stelle auf dem Arbeitsmarkt. In seinem Vortrag vor dem Sozial- und Psychiatrieausschuss machte Michael Mayer auch deutlich, dass viele Absolventen auch ihre persönliche Weiterentwicklung durch den Kurs schätzen. Der Kurs stärkt ihr Selbstbewusstsein und gibt ihren Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen einen Sinn. Die Erfahrungen mit schweren seelischen Erschütterungen sind nun nicht mehr nur ein Problem in ihrem Leben, sondern auch eine Stärke, durch sie andere in ähnlichen Situationen unterstützen können. Zudem widerlegt der EX-IN-Kurs das gängige Vorurteil, dass Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen nicht in sozialen Berufen tätig sein können.