Augenblicke des Glücks

Förderung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz

Seit einigen Jahren beschäftigt sich die gerontopsychiatrische Pflege mit Überlegungen, wie die Lebensqualität von Menschen mit Demenz systematische gefördert werden kann. In interessanten Vorträgen erhielten die Teilnehmer einen Überblick zum aktuellen Stand in Forschung und Praxis. In Workshops konnten praktischen Möglichkeiten zur Förderung von positiven Emotionen von Menschen mit Demenz ausprobiert werden.

Überblick zur medikamentösen Therapie von Demenz-Erkrankungen

Dr. Dirk Wolter, Chefarzt der Inn-Salzach-Klinik in Wasserburg, gab einen anschaulichen Überblick zur Bedeutung der medikamentösen Therapie von Demenzerkrankungen. Er sprach sich dafür aus Risiken und Vorteile sorgsam gegeneinander abzuwägen, da gerade ältere Menschen sehr sensibel auf Medikamente ansprechen. Insbesondere warnte er vor einer Kombination von Johanniskraut oder Gingko-Präparaten mit Psychopharmaka.

Dr. Marion Bär stellte das DEMIAN-Projekt der Universität Heidelberg vor
Marion Bär

Anschließend stellte Dr. Marion Bär das DEMIAN-Projekt der Universität Heidelberg vor. In ihrem Vortrag machte sie keinen Unterschied zwischen Menschen mit Demenz und solchen ohne. Sie sprach sich vielmehr dafür aus, intensiv nach „individuell bedeutsamen“ anderen Personen oder positiven Situationen im Alltag von Menschen zu suchen. Durch die systematische Förderung solcher Situationen könne die Lebensqualität von Menschen mit Demenz nachweislich verbessert werden.

Emotional anregende Beschäftigungen haben positive Wirkungen

In verschiedenen Workshops konnten sich die Teilnehmer dann von der positiven Wirkung von emotional anregenden Beschäftigungen, wie Tanz, Aromen, Zuwendung aber auch mit einer animierten Robbe überzeugen. Da Pflegende außerdem die erwünschten und unerwünschten Wirkungen gut beurteilen können müssen, wurde zudem ein psychopharmakologischer Workshop angeboten, der viele Fragen hilfreich beantworten konnte.

„Was macht Menschen mit Demenz glücklich?“
Gerd Kehrein

In seinem eindrücklichen Abschlussvortrag erzählte Gerd Kehrein von der Sonnweid, einer Wohneinrichtung für Demenzkranke in der Schweiz, von ihren praktischen Erfahrungen mit Glück. Er gab auf die Frage, was Menschen mit Demenz glücklich macht zu bedenken: „Können wir das wissen, wo doch jeder Mensch sein eigenes Glück sucht und wir die individuelle Welt der Demenz nicht verstehen, da wir nicht in deren Welt leben?“ Glück sind seiner Ansicht nach besondere Momente für einen Menschen, die man nicht einfach herbeiführen kann, sondern nur durch flexible Rahmenbedingungen „zulassen“ kann.

Menschen mit Demenz brauchen Zuwendung und Respekt

Herr Kehrein sieht Seniorenheime daher in der Verantwortung entsprechend flexible und individuelle Rahmenbedingungen für die Menschen zu schaffen, die in ihnen leben. Auch Menschen mit Demenz wollen noch Entscheidungsmöglichkeiten haben, ihre Fähigkeiten und Gemeinschaft mit anderen erleben. Menschen mit Demenz brauchen seiner Ansicht nach aber auch das Erleben von Sicherheit durch Zuwendung und Respekt.

Auch Menschen mit Demenz suchen ihr individuelles Glück

Bei der Tagung wurde deutlich, dass auch Menschen mit Demenz, wie jeder Mensch, ihr individuelles Glück suchen. Für die Pflegefachpersonen in den Einrichtungen der Altenhilfe bedeutet dies, dass für jeden Bewohner individuelle Glückmomente suchen müssen. Zu Abschluss bedankte sich Gerhard Stadler von der allgäu akademie bei allen Dozenten und Workshopleiterinnen für die vielen interessanten und einfach in die Praxis umsetzbaren Anregungen.